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Aus der Chronik des Musikvereins „Harmonie Mittelberg“

Nach den Aufzeichnungen des Chronisten Alfons Köberle „datiert die erste Kunde von einer Musik in Mittelberg aus dem Jahre 1853“ im Zusammenhang mit „vorwiegend“ kirchlicher Instrumentalmusik unter der Betreuung des Bergbauernsohnes Hermann Fritz. Im Jahre 1872 übernahm ein Ludwig Kessler die Führung des „Musikchores“. Nach den Aussagen von früheren Gewährsleuten stellten die Musikanten aus Mittelberg und Hirschegg schon um 1880 gemeinsam die Fest- und Tanzmusik für das Patroziniumsfest in Hochkrumbach (Bartholomä, 24.8.). Dieser Brauch war noch bis 1937 lebendig.

Im Jahre 1891, kurz nach dem Inkrafttreten des Zollanschlussvertrages, feierte die Talbevölkerung ein dreifaches Walserjubiläum. Aus der Jubiläumsfestschrift von Josef Anton Schäfer, Pfarrherr in Hirschegg, entnehmen wir (1897): „Vom Musikchor (vermutlich Kirchenchor und Blasmusik vereint) wird eine Festmesse und Offertorium von Habert und ein Graduale von Mitterer aufgeführt. Es ist dies hohe Pontifikalamt das erste und wohl auch das letzte in der Pfarrkirche in Mittelberg“.

Der in Hirschegg gebürtige, seit 1893 Mittelberger Kronenwirt Eduard Seelenmayer (1859-1906) hielt damals die Musikkapelle in Schwung. Er war Zitherspieler und ein eifriger Pfleger der Volksmusik. Aus seinem Nachlass stammen einige „Stückle zum Aufspielen“, zum Teil von ihm selbst erdacht.

In den folgenden Jahrzehnten betätigten sich der allzeit eifrige Notenschreiber Karl Haller (Kaetherlesch Karle), die Älpler Hermann Haller (Kaetherlesch Hermann) und Emanuel Fritz (Hansa Manuel) sowie der Schreinermeister Ferdinand Matt (Ferdinaendle) als Kapellmeister der Mittelberger Musik.

Bis zum Jahre 1923, dem Gründungsjahr der Hirschegger Musikkapelle „D`Hirschegger“ und zu bestimmten Gelegenheiten auch noch später waren die Musikanten aus den beiden Ortschaften Hirschegg und Mittelberg vereint.

Im Jahre 1929 wurde die Mittelberger Musik neu aufgebaut und ein Jahr später auf Vereinsgrundlage gestellt. Sie wirkte von nun an als Musikverein „Harmonie Mittelberg“ in der Öffentlichkeit mit dem Obmann Karl Theodor Fritz (Stütze-Karle) und dem Kapellmeister Max Seelenmayer (Kronawirtsch-Maxl) bis 1935.

Im Jahre 1934 konnte auf Betreiben des Kapellmeisters und größtenteils aus dessen Eigenmitteln der Verein neu eingekleidet werden. Die neue Musiktracht war nach dem Vorbild der Walser Männertracht zusammengestellt: Schwarze Bundhose, weiße Kniestrümpfe, eine rote ärmellose Weste, ein weißes Hemd mit buntem Schlips und eine weiße Zipfelmütze. An hohen Festtagen trugen die Musikanten ein kurzes Kamisol und als Kopfbedeckung einen schwarzen Zylinderhut. Mit dieser Trachtenerneuerung leistete der Verein unschätzbare Dienste für die Erhaltung der Walser Männertracht, die damals im Aussterben begriffen war. Der Schneidermeister Franz Josef Vögel, der diese Trachten zu günstigen Bedingungen anfertigte, wurde für seine Verdienste um das Zustandekommen dieser Trachtenaktion im Jahre 1934 zum Ehrenmitglied des Musikvereins „Harmonie Mittelberg“ ernannt.

In den Jahren 1936 bis 1938 wechselte die Kapelle in kurzen Zeitabständen ihren Kapellmeister. In dieser Zeit führten der Landwirt Raimund Heim, der Zimmermann Lukas Matt und ein J. Tornow den Dirigentenstab. Nach dem „Anschluß“ 1938 musste der Verein aufgelöst werden. Unter der Leitung des Kapellmeisters Karl Schneider wurde mit Musikanten aus dem ganzen Tal noch eine SA-Musik zusammengestellt. Die Proben waren im heutigen Schützenhaus am Leidtobel. Der neue Verein musste aber bald wegen „innerer Schwierigkeiten“ seine Tätigkeit aufgeben.

Im Krieg schwieg die Musik und es wurden nur für traurige Anlässe eine kleine Kapelle für die Kreuzsteckungen formiert.

Nach dem 2. Weltkrieg wehte wieder ein neuer Wind im kulturellen Leben des Tales. Chöre, Mädchensinggruppen, eine Theatergruppe und Trachtengruppen entwickelten eine rege Tätigkeit. Auch eine Musikkapelle wurde wieder auf die Füße gestellt, um für die „Walsertaler Kulturtage“ im September 1946 gerüstet zu sein. Aus allen drei Ortschaften, aus den entlegensten Weilern und sogar von den Alpen herab kamen die Musikanten, Sänger und Laeinspieler zu den wöchentlichen Proben, zu Fuß und mit dem Fahrrad, um zu zeigen „was d`Walser chönnet, waenn sch`zaemahebet“. Die Ruhe der Nachkriegszeit gewährte Rückkehr zu urtümlicher Besinnlichkeit.

Der schon seit 1927 aktive Trompeter und Organist Karl Josef Fritz übernahm 1946 die fachliche Schulung jugendlicher Musikanten und schon nach einem Jahr emsiger Probenarbeit konnte der neu ins Leben gerufene Verein „Harmonie Mittelberg“, in der Instrumentalbesetzung 2 Flügelhörner, 1 Tenorhorn, 2 Klarinetten B, 1 Trompete B, 2 Posaunen B, 2 Trompeten Es, 1 Baßtrompete B, 1 Tuba F, 1 Tuba B, 1 große Trommel, 1 kleine Trommel, die Feuertaufe mit seinem ersten öffentlichen Auftreten in der „Gemse“ in Bödmen mit sehr großem Erfolg bestehen. Die Vereinstätigkeit wurde am 24.12.1947 bei der Sicherheitsdirektion für das Land Vorarlberg angemeldet. Am 9.2.1949 kam der behördliche Bescheid: „Der genannte Verein kann seine Tätigkeit beginnen“.

In den folgenden Jahren steigerte sich die Kapelle in ihren Leistungen zusehends. Die erfolgreiche Beteiligung beim 6. Bundesmusikfest 1950 in Bludenz verdient gebührende Anerkennung.

Ein besonderes Lob sei den jungen Musikanten mit ihrem traditionsfreudigen Kapellmeister ausgesprochen für die Wiederbelebung alter Walser Fasnachtsbräuche wie das „Pfiifaraenna“, das pistenlose Hörnerschlitten- und Rodelrennen und das „Sackhupfen“. Diese Veranstaltungen waren allemal ein vergnügliches Fasnachterlebnis für die ganze Dorfgemeinschaft, wie der Schriftführer im Tätigkeitsbericht 1951 schreibt.

Ein weiteres großes Ereignis für Einheimische und Gäste war die alljährliche Christbaumversteigerung (26.12.), bei der sich der Kapellmeister Karl-Josef Fritz mit seinem urwüchsigem Humor immer wieder als Meister der Beredsamkeit in Walser Mundart stets für Höhepunkte fröhlicher Stimmung sorgte. Der Erlös aus dieser Veranstaltung wurde, wie später die Einnahmen aus dem „Tag der Blasmusik“ für die Anschaffung von Trachtenstücken, Notenmaterial und Musikinstrumenten verwendet.

Ein bemerkenswerter Tag in der Geschichte des Musikvereins war der 3.6.1951, als die Musikanten unter der Stabführung von „Wilhelma Karle“ beim internationalen Vergleichswettkampf in Oberstaufen den 1. Preis mit nach Hause nehmen konnten.

Im April 1952 startete die Kapelle über Vermittlung des Verkehrsamtes Kleinwalsertal zusammen mit der Trachtengruppe und der Musikkapelle Ruhpolding zu einer großangelegten Werbereise nach Norddeutschland. Kurz danach, am Pfingstsonntag 1952, beteiligte sich die Musik beim Musikfest in Sonthofen. Auch hier gab es wieder einen Ia-Preis für vorbildliches Musizieren in der Mittelstufe.

Der umsichtige Vereinsvorstand versäumte es nicht, in den folgenden Jahren junge Musikanten ausbilden zu lassen und in die Musikgemeinschaft einzugliedern. Im Jahre 1960 zählte der Verein 20 aktive Musikanten, 1970 waren es bereits 25. Unter Mathias Fritz, der die Musikkapelle 1982 übernahm erreichte die Kapelle einen Höchststand von über 40 Musikanten. Bis zur Gründung der Musikschule Kleinwalsertal bildete Mathias die meisten Musikanten selbst aus. Unter ihm vollzog sich ein Generationenwechsel und unter ihm wurde das Ensemblespiel stark gefördert.  So leitete er die Gruppe der Turmbläser und erweiterte jedes Jahr das Repertoire der Kapelle.

Im Jahre 1994 wurde Helmut Fritz zum Kapellmeister der „Harmonie Mittelberg“ gewählt. Vor seiner Kapellmeisterzeit bei der „Harmonie Mittelberg“ hat Helmut bereits große Einsatzbereitschaft bei der Gründung der „Mittelberger Rompler“ und des Posaunen-Quartetts gezeigt. Unter seiner Leitung wurde das Repertoire der Kapelle auch in Richtung moderner Unterhaltungsmusik erweitert. Wichtig ist ihm aber auch die Pflege von traditioneller Musik, die Pflege der Traditionsmärsche und die Kameradschaft im Verein. Im Jahr 1998 trat Helmut Fritz mit der „Harmonie Mittelberg“ beim Wertungsspiel in Langen bei Bregenz an. Die Musikkapelle konnte sowohl in der Konzertbewertung, als auch bei der Marschmusikwertung mit einem „sehr gut“ stolz nach Hause fahren. Weitere „Highlights“ waren die CD-Aufnahmen, gemeinsam mit den beiden anderen Balskapellen des Tales, der „Trachtenkapelle Riezlern“ und des Musikvereins „d`Hirschegger“ in den Jahren 1997 und 2002.

Die Aufzeichnungen der Chronisten und die von den jeweiligen Schriftführern ausführlich dargelegten Tätigkeitsberichte geben ein stolzes Zeugnis von uneigennützigem Wirken und Streben über 15 Jahrzehnte. Die Musik ist immer zur Stelle, wenn es darum geht ein Fest, sei es kirchlicher oder weltlicher Natur, feierlich zu begehen. „Wir stellen immer wieder fest, wie notwendig unentbehrlich eine Blaskapelle im Dorf ist!“ Das vor 150 Jahren von den Ahnen übernommene Erbe wurde von den Mittelberger Musikanten über Generationen hindurch würdig gepflegt und ausgebaut. So zählt die „Harmonie Mittelberg“ zu den Hauptkulturträgern unserer Walsergemeinde. Hoffen wir, dass sie weiterhin am Walser Brauchtum festhält, aber auch dem guten neuen aufgeschlossen bleibt!

Die Kapellmeister

1853 – 1873             Hermann Fritz
1873 – 1883             Lukas Kessler
1884 – 1903             Eduard Seelenmayer
1904 – 1927             Hermann Haller
1927 – 1928             Emanuel Fritz
1928 – 1929             Karl Haller
1929 – 1930             Ferdinand Matt
1930 – 1935             Max Seelenmayer
1936 – 1937             Raimund Heim
1938                       Lukas Matt
1938                       J. Tornow
1946 – 1982             Karl-Josef Fritz
1982 – 1994             Mathias Fritz
1994 – 2006             Helmut Fritz
2006
heute            Stefan Heim

Die Obmänner

1930 – 1936             Karl Th. Fritz (Stütze)
1936 – 1938             Lukas Schuster (Stütze)
1949 – 1956             Peter Meusburger
1956 – 1968             Wilhelm Fritz
1968 – 1990             Josef Rädler
1990 – heute            Reinhard Leitner

Das Jubiläumsfest ist schon wieder Vergangenheit:

Wer ein paar Impressionen ansehen will klickt einfach auf Bilder.

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